Maßnahmen zur Stabilisierung des pH-Wertes in Kühlschmierstoffen
Ein sinkender pH-Wert ist ein deutliches Warnsignal im Kühlschmierstoffsystem. Ziel ist es, die Ursache systematisch zu ermitteln und den pH-Wert wieder in den stabilen Bereich – in der Regel zwischen 8,5 und 9,5 – zurückzuführen.
Die folgende Checkliste unterstützt bei einer strukturierten Vorgehensweise.
1. Ist-Zustand erfassen
Vor jeder Maßnahme steht die Analyse. Ohne aktuelle Messwerte ist keine gezielte Stabilisierung möglich.
Zu erfassen sind:
- pH-Wert
- Konzentration (Refraktometer)
- Nitrit-Wert
- Leitfähigkeit
- Optischer Eindruck (Farbe, Schaumbildung, Geruch, Ölhaube)
- Temperatur und Umwälzsituation
Nur mit diesen Basisdaten lässt sich die Ursache eingrenzen.
2. Konzentration überprüfen und korrigieren
Eine zu niedrige Konzentration reduziert die alkalische Pufferwirkung des KSS – der pH-Wert sinkt.
Vorgehen:
- Refraktometerwert messen
- Mit dem herstellerspezifischen Multiplikator die reale Konzentration berechnen
- Bei Unterkonzentration mit Emulsion – nicht mit reinem Wasser – nachdosieren
- Für ausreichende Umwälzung sorgen
Eine stabile Konzentration ist die Grundlage jeder pH-Stabilisierung.
3. Fremdöleintrag beseitigen
Hydraulik- oder Bettbahnöle bilden eine Ölschicht auf der Emulsion. Diese blockiert den Sauerstoffeintrag und begünstigt anaerobes Bakterienwachstum – der pH-Wert fällt.
Maßnahmen:
- Ölskimmer oder Skimmerkissen einsetzen
- Abskimmen idealerweise in Kombination mit einer Belüftungspumpe
- Regelmäßiges Entfernen der Oberflächenölschicht
Hinweis: Je niedriger die KSS-Konzentration, desto schneller destabilisiert Fremdöleintrag das System.
4. Mikrobiologisches Wachstum eindämmen
In vielen Fällen ist mikrobieller Befall die eigentliche Ursache für einen sinkenden pH-Wert.
Typische Anzeichen:
- Muffiger Geruch
- Schleim- oder Biofilmbildung
- Trübe Emulsion
- Schneller pH-Abfall
Maßnahmen:
- Sauerstoffeintrag sicherstellen (Belüftungspumpe)
- Umwälzung gewährleisten (mindestens 8–12 Stunden täglich)
- Längere Stillstände vermeiden oder konservierten Zustand herstellen
5. Späne und Verschmutzungen entfernen
Metallabrieb, Feinstpartikel und Schlamm fördern chemische Reaktionen und mikrobiologisches Wachstum.
Empfohlene Schritte:
- Filtration überprüfen und aktiv betreiben
- Schlamm absaugen
- Filtersysteme reinigen
- Regelmäßige Maschinenreinigung durchführen
Ein sauberes System stabilisiert die Emulsion nachhaltig.
6. pH-Wert gezielt anheben
Erst wenn die Ursachen behoben sind, sollte der pH-Wert aktiv angehoben werden.
Wichtig:
Ausschließlich freigegebene pH-Stabilisatoren oder alkalische Additive des Herstellers verwenden.
Improvisierte Lösungen (z. B. Natronlauge) sind unbedingt zu vermeiden.
Vorgehensweise:
- Herstellerangaben beachten
- Additiv bei laufender Umwälzung langsam zugeben
- In kleinen Schritten von 0,1–0,2 pH-Einheiten arbeiten
- Nach etwa einer Stunde erneut messen
- Vorgang wiederholen, bis der Zielbereich erreicht ist
Im Zweifel sollte die Dosierung mit dem anwendungstechnischen Berater abgestimmt werden.
7. Wasserqualität prüfen
Schwankungen im pH-Wert können auch durch die Wasserqualität verursacht werden.
Zu prüfen sind:
- Wasserhärte (ideal: 8–14 °dH)
- Zusätze im Spülwasser
- pH-Wert des Ansetzwassers
Bei zu hartem Wasser empfiehlt sich eine Enthärtungsanlage oder Teilentsalzung.
8. Präventive Maßnahmen etablieren
Langfristige Stabilität entsteht durch konsequente Systempflege.
Tägliche Maßnahmen
- Ölskimmer betreiben
- Sichtkontrolle durchführen
- Umwälzung sicherstellen
Wöchentliche Maßnahmen
- pH-Wert, Konzentration und Nitrit messen und dokumentieren (TRGS 611)
- Fremdöle entfernen
- Filtersysteme kontrollieren und reinigen
Ergänzende Maßnahme
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Fazit
Ein sinkender pH-Wert ist beherrschbar – vorausgesetzt, die Ursachen werden systematisch analysiert und konsequent abgearbeitet. Wer regelmäßig misst, Fremdöleintrag kontrolliert, Konzentration stabil hält und mikrobiologische Belastung reduziert, verlängert die Standzeit des Kühlschmierstoffs und vermeidet unnötige Wechsel sowie Produktionsausfälle.
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Die bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und basieren auf unserem aktuellen Wissen und Erfahrungen. Dennoch übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Anwendbarkeit im Einzelfall. Zerspanung ist oft sehr individuell und ist nicht immer auf andere Bearbeitungen zu übertragen. Deshalb bieten wir Ihnen gerne eine individuelle Beratung durch unsere Fachberater an, insbesondere bei sicherheitsrelevanten oder gesetzlich geregelten Anwendungen.
Stand: 13.04.2026