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Wenn’s muffig wird: Verkeimung im Kühlschmierstoffsystem erkennen, verstehen und beheben

Riecht es in der Werkstatt unangenehm, ist die Emulsion oft schon verkeimt. Unser Blogbeitrag zeigt, wie es dazu kommt und wie man durch systematische Pflege, das richtige Produkt und gezielter Reinigung für langfristige Stabilität im System sorgt.



Wenn’s muffig wird: Verkeimung im Kühlschmierstoffsystem erkennen, verstehen und beheben.

„Es riecht schon wieder.“ – Was jetzt zu tun ist?

Wenn sich unangenehmer Geruch aus der Werkzeugmaschine bemerkbar macht, ist meist klar: Der Kühlschmierstoff fängt an zu kippen. Die Ursache dafür ist selten nur ein einzelner Auslöser – meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die sich über Wochen aufgebaut haben. Dabei ließe sich mit ein paar grundlegenden Regeln vieles vermeiden. Denn wer seine Emulsion im Griff hat, kann problemlos ein Jahr oder länger ohne KSS-Wechsel auskommen.
Worauf es ankommt? Vor allem auf drei Dinge:
 



1. Die Einsatzkonzentration im Blick behalten – nicht nur beim Anmischen
Es reicht nicht, den Kühlschmierstoff beim Ansetzen einmal richtig zu dosieren – die Konzentration muss regelmäßig kontrolliert und dokumentiert werden. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern laut TRGS 611 auch verpflichtend.
Warum das so wichtig ist? Der KSS enthält in der Regel Biozide, die nur dann zuverlässig wirken, wenn sie in ausreichender Menge vorhanden sind. In Maschinen, die zu Verkeimung neigen oder längere Standzeiten haben, kann eine leicht erhöhte Konzentration helfen – dadurch steigt nicht nur der Biozidgehalt, sondern auch der pH-Wert. Ergebnis: deutlich höhere Biostabilität.
Ein bisschen „fetter“ fahren, kann also durchaus sinnvoll sein – natürlich im Rahmen der Produktempfehlung.
Bei längeren Stillstandzeiten von mehr als zwei Wochen sollte der Kühlschmierstoff mit einer höheren Konzentration gefahren werden, um die Biostabilität zu erhöhen. Wird die Maschine über einen noch längeren Zeitraum nicht genutzt, kann zusätzlich ein Systemreiniger eingesetzt werden. Nach dieser Phase empfiehlt sich eine gründliche Maschinenreinigung und die Neubefüllung mit frischer Emulsion.



2. Den richtigen Kühlschmierstoff auswählen – nicht alles, was wirkt, ist erlaubt
Klar – viel Biozid, hoher pH-Wert, das klingt erstmal gut. Wäre da nicht das Problem mit der gesetzlichen Zulassung und der Hautverträglichkeit. Ab einem pH-Wert von etwa 10 kann es bei
bestimmten Aluminiumlegierungen zu Oxidation kommen – und auch Hautprobleme bei den Mitarbeitenden sind bei dauerhaftem Kontakt keine Seltenheit.
Hinzu kommt: Jeder Biozidwirkstoff muss gemäß Biozidverordnung zugelassen sein. Und nicht nur das – auch die zulässige Einsatzmenge ist geregelt. Die Versuchung, ein „Stellmittel“ (Biozidzusatz) einfach großzügig zu dosieren, mag verständlich sein – rechtlich und gesundheitlich ist das jedoch problematisch.
Denn ab dem Moment, in dem ein Anwender selbstständig Biozide hinzugibt, trägt er auch die volle Verantwortung – inklusive der nötigen Gefährdungsbeurteilung für jede einzelne Maschine.
Unser Rat: Ergänzungen dieser Art nur in Rücksprache mit dem KSS-Hersteller – und mit entsprechender Fachberatung.



3. Maschinen in Bewegung halten – Sauerstoff ist das beste Biozid
Die meisten Mikroorganismen, die uns bei der KSS-Stabilität Probleme machen, sind anaerob – sie mögen keine Luft. Stillstand ist für diese Keime ideal. Deshalb gilt: Auch wenn die Maschine ruht – regelmäßig für Bewegung sorgen. Pumpen laufen lassen, die Emulsion belüften, z. B. mit unserer Belüftungspumpe. Auch UV-Licht kann helfen, die Vermehrung zu hemmen.
Wichtig ist: Erst gar nicht zulassen, dass sich Mikroorganismen in der Maschine wohlfühlen – und falls es doch passiert, nicht lange zögern mit unseren Empfehlungen beziehungsweise einer Reinigung.



Die richtige Maschinenreinigung – so klappt’s mit dem Neustart


Wenn die Verkeimung bereits da ist, hilft nur noch eine konsequente Reinigung. Das bedeutet:

 

  • Systemreiniger zugeben: Direkt in den bestehenden KSS geben und am besten 2–3 Tage im Umlauf mitlaufen lassen. Wichtig: Tank komplett füllen, damit auch der obere Bereich benetzt wird – dort halten sich die Keime meist besonders gern auf.
  • Ablagerungen entfernen: Biofilm und Anhaftungen im Maxfüllstandbereich mechanisch entfernen – auch abgestorbene Mikroorganismen können zur Nährstoffquelle werden.
  • Spülen und Neubefüllen: Nach der Reinigung mit Frischwasser gründlich spülen und die Maschine direkt wieder mit frischer Emulsion befüllen. Achtung: Um Korrosion zu vermeiden sollte umgehend nach dem Spülvorgang die Befüllung mit der frischen Emulsion erfolgen.

Hinweis: Viele Tanksysteme, Rohrleitungen und Späneförderer sind schwer zugänglich – in solchen Fällen hilft unser Schwesterunternehmen mit professioneller Maschineninnenreinigung und speziellem Equipment. 

 



Fazit: KSS-Pflege ist keine Wissenschaft – aber auch kein Selbstläufer
Wer die grundlegenden Regeln beachtet, spart Aufwand, Stillstand und unnötige Kosten. Dazu gehört die richtige Konzentration, ein zugelassener KSS mit abgestimmten Additiven, regelmäßige Bewegung – und bei Bedarf eine fachgerechte Reinigung.
Wir stehen Ihnen dabei mit Erfahrung, Rat und passenden Lösungen gerne zur Seite


Die bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und basieren auf unserem aktuellen Wissen und Erfahrungen. Dennoch übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Anwendbarkeit im Einzelfall. Zerspanung ist oft sehr individuell und ist nicht immer auf andere Bearbeitungen zu übertragen. Deshalb bieten wir Ihnen gerne eine individuelle Beratung durch unsere Fachberater an, insbesondere bei sicherheitsrelevanten oder gesetzlich geregelten Anwendungen.


Stand: 21.10.2025
 
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