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Wassermischbare Kühlschmierstoffe (KSS) richtig anmischen

Von Wasserqualität bis Refraktometer: In unserem Beitrag erklären wir, worauf es bei der Anmischung ankommt – damit die Emulsion stabil bleibt und Ihre Fertigung reibungslos läuft.




Wassermischbare Kühlschmierstoffe (KSS) richtig anmischen

Die richtige Anmischung eines Kühlschmierstoffs ist eine wichtiger Grundlage für stabile Fertigungsprozesse. Eine gut vorbereitete Emulsion schützt Werkzeuge, verlängert die Lebensdauer von Maschinen und hilft, Verunreinigungen und Verkeimung zu vermeiden. Mit etwas Sorgfalt bei der Auswahl der Materialien und beim Vorgehen lässt sich das zuverlässig erreichen.


Was wird für das Anmischen benötigt?

Damit beim Anmischen keine Fehler passieren, sollten folgende Punkte beachtet werden:
 
Kühlschmierstoff-Konzentrat:
Das ist die Basis der Emulsion. Es enthält Schmier- und Kühladditive sowie Biozide, die nur in der richtigen Dosierung ihre volle Wirkung entfalten.
 
Wasser:
Ideal ist weiches bis mittelhartes Wasser. Hartes Wasser kann Ablagerungen und Aufrahmung verursachen, sehr weiches Wasser führt oft zu starker Schaumbildung. Wer unsicher ist, welche Wasserqualität im Betrieb vorliegt, sollte eine Wasseranalyse durchführen lassen – hier unterstützen wir Sie gerne.
 
Messbecher oder Waage:
Exakte Mengen sind entscheidend. Kleine Ungenauigkeiten können dazu führen, dass die Emulsion zu konzentriert oder zu schwach ist. Beides beeinträchtigt die Leistung des KSS.

Mischgerät oder Dosierstation:
Für kleinere Mengen reicht oft ein manuelles Mischgerät. Bei regelmäßigen Anwendungen oder größeren Anlagen lohnt sich der Einsatz einer automatisierten Dosierstation.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA):
Kühlschmierstoffe können bei Kontakt Haut- oder Augenreizungen verursachen. Daher sollte beim Anmischen immer eine Schutzbrille getragen werden; Handschuhe schützen zusätzlich die Haut.



 

Wie wird das Mischverhältnis berechnet?

Das Mischverhältnis ist der wichtigste Punkt und wird vom Hersteller des Kühlschmierstoffs vorgegeben. Es sagt aus welche Konzentration für den jeweiligen Einsatz geeignet ist – meist liegt diese zwischen 3 % und 10 %. Diese Angabe findet sich auf dem Produktetikett oder im technischen Datenblatt.
 
Beispiel:
Ein Mischverhältnis von 5 % bedeutet: 5 Teile Konzentrat auf 95 Teile Wasser. Werden 100 Liter Kühlschmierstoff benötigt, entspricht das 5 Liter Konzentrat plus 95 Liter Wasser.

 

So funktioniert die Anmischung Schritt für Schritt

 
1. Persönliche Schutzausrüstung anlegen:
Schutzbrille aufsetzen, Handschuhe anziehen. So wird die Haut geschützt und das Risiko von Augenreizungen minimiert.

 
2. Mengen berechnen:
Vorher genau überlegen, wie viel Emulsion insgesamt benötigt wird, und daraus die Mengen für Wasser und Konzentrat ableiten.

 
3. Wasser zuerst einfüllen:
Zuerst wird immer die berechnete Menge Wasser in den Mischbehälter gegeben. Wichtig: Das Konzentrat darf niemals zuerst in den Behälter, da sich sonst dicke Klumpen bilden können, die sich nur schwer lösen.

 
4. Konzentrat langsam zugeben:
Das Konzentrat wird langsam und gleichmäßig in das Wasser gegossen – dabei ständig rühren, damit sich die Emulsion von Anfang an gut verteilt.

 
5. Gründlich mischen:
Die Mischung sollte so lange gerührt werden, bis keine Schlieren mehr zu sehen sind und sich keine Rückstände am Boden absetzen. Bei größeren Mengen oder in Maschinen hilft eine Umwälzpumpe oder ein mechanisches Rührwerk.
 

6. Dosiergeräte nutzen:
Automatische Dosiersysteme sorgen für eine gleichbleibende Qualität und sparen Zeit. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn regelmäßig große Mengen KSS angemischt werden.

 
7. Konzentration kontrollieren:
Eine Kontrolle mit einem Handrefraktometer ist zu empfehlen, besonders bei sensiblen Anwendungen. Der Brix-Wert zeigt an, wie hoch die Konzentration ist. Mit dem Refraktometerfaktor (RF) kann der Wert in die tatsächliche Konzentration umgerechnet werden. Der Faktor ist im technischen Datenblatt angegeben. 


 


Wichtige Hinweise für die Praxis

 
Wasserqualität beachten:

Mittelhartes oder entmineralisiertes Wasser ist ideal. Zu hartes Wasser kann die Emulsion destabilisieren, zu weiches Wasser kann unerwünschten Schaum bilden.
 

Temperatur berücksichtigen:
Die Anmischung gelingt am besten bei Raumtemperatur. Kaltes Wasser kann die Emulgatoren daran hindern, Wasser und Öl gleichmäßig zu verbinden.

 
Regelmäßig kontrollieren:

Die KSS-Konzentration verändert sich durch Verdunstung und Austrag im Bearbeitungsprozess. Eine wöchentliche Kontrolle ist Pflicht (TRGS 611) und sorgt für Sicherheit.
 

Sauber arbeiten:

Verschmutzungen können die Bildung von Mikroorganismen fördern. Der Mischbehälter sollte sauber gehalten werden, ebenso die Arbeitsumgebung.
 

Nachfüllen mit Bedacht:

Beim Nachfüllen in die Maschine wird meist eine leicht niedrigere Konzentration verwendet, da während der Bearbeitung Wasser verdunstet.

 
Sicherheitsdatenblatt beachten:

Das SDB enthält alle wichtigen Hinweise zu Lagerung, Handhabung und Entsorgung.



Fazit

Ein sorgfältig angemischter Kühlschmierstoff ist eine Grundvoraussetzung für stabile Prozesse und eine lange Standzeit. Mit wenigen einfachen Schritten und regelmäßigen Kontrollen lässt sich viel Aufwand sparen – bevor es zu Problemen wie Geruch, Ablagerungen oder Verkeimung kommt.
Sollten Fragen offen bleiben, unterstützen wir Sie gerne mit einer individuellen Beratung direkt bei Ihnen vor Ort.
Ein sorgfältig angemischter Kühlschmierstoff ist eine Grundvoraussetzung für stabile Prozesse und eine lange Standzeit. Mit wenigen einfachen Schritten und regelmäßigen Kontrollen lässt sich viel Aufwand sparen – bevor es zu Problemen wie Geruch, Ablagerungen oder Verkeimung kommt.
Sollten Fragen offen bleiben, unterstützen wir Sie gerne mit einer individuellen Beratung direkt bei Ihnen vor Ort.


Die bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und basieren auf unserem aktuellen Wissen und Erfahrungen. Dennoch übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Anwendbarkeit im Einzelfall. Zerspanung ist oft sehr individuell und ist nicht immer auf andere Bearbeitungen zu übertragen. Deshalb bieten wir Ihnen gerne eine individuelle Beratung durch unsere Fachberater an, insbesondere bei sicherheitsrelevanten oder gesetzlich geregelten Anwendungen.


Stand: 04.11.2025

Ralf Stammler
gepostet von
Ralf Stammler
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