Ursachen

Warum fällt der pH-Wert im Kühlschmierstoff?

Ein sinkender pH-Wert ist meist das Ergebnis von Verunreinigungen, Keimbelastung oder Unterkonzentration. Der Beitrag erläutert die wichtigsten Ursachen – und zeigt, wie sich Stabilitätsprobleme frühzeitig erkennen lassen.
Warum fällt der pH-Wert im Kühlschmierstoff?

Gründe für den Abfall des pH-Wertes in Kühlschmierstoffen (KSS)


Der pH-Wert ist ein zentraler Indikator für die Stabilität eines wassermischbaren Kühlschmierstoffs. Sinkt er deutlich ab, ist dies fast immer ein Hinweis auf Störungen im System.

In der Praxis sind meist Verunreinigungen, Zersetzungsprozesse oder mangelnde Wartung die Hauptursachen für den Abfall des pH-Wertes.




 

Mikrobieller Befall 

Die häufigste Ursache für einen pH-Abfall ist mikrobiologisches Wachstum. Bakterien, Pilze und Hefen verstoffwechseln wasserlösliche Bestandteile des Kühlschmierstoffs. Dabei entstehen organische Säuren, die den pH-Wert senken.

Typische Begleiterscheinungen sind: Geruchsbildung, Schleimbildung, Hautreizungen, verkürzte Standzeit der Emulsion. 

Weiterführende Informationen hierzu finden Sie auch in unserem Beitrag:

„Wenn’s muffig wird – Verkeimung im Kühlschmierstoffsystem erkennen, verstehen und beheben“ 

Typische Ursachen für Keimbefall: Zu geringe Umwälzung des Systems, Zu niedrige Konzentration, Verschmutzte Tanks und Leitungen, Lange Standzeiten oder Anlagenstillstand

Zur korrekten Konzentrationsüberwachung empfehlen wir die Beiträge: 
Verlinkung: 



Eintrag von Fremdölen

Hydrauliköl oder Bettbahnöl gelangen häufig unbeabsichtigt in das KSS-System. Demulgierende Fremdöle bilden auf der Oberfläche eine Ölschicht, die den Sauerstoffeintrag blockiert. Dadurch entstehen ideale Bedingungen für anaerobe Mikroorganismen – die Keimbelastung steigt, der pH-Wert sinkt. 

Zusätzlich können sich Fremdöle teilweise emulgieren. Dies erkennt man häufig an einer unscharfen Trennlinie beim Refraktometer. Problematisch ist dabei, dass diese Fremdöle bei der Konzentrationsmessung als „Konzentrat“ mit erfasst werden. Die tatsächliche Wirkstoffkonzentration ist somit niedriger als gemessen – ein weiterer Faktor für Instabilität und pH-Abfall.

Weiterführende Informationen:

„Ölskimmer in der Zerspanung – Fremdöle zuverlässig entfernen“
 


Zu niedrige Konzentration des Kühlschmierstoffs

Ist die Emulsion zu stark verdünnt, fehlt die alkalische Pufferwirkung. Der Kühlschmierstoff verliert seine Stabilität – der pH-Wert sinkt. Typische Ursachen hierfür: Nachfüllen mit reinem Wasser statt mit Emulsion / Fehlende oder unzureichende Nachdosierung / Additivabbau im laufenden Prozess. Eine regelmäßige Konzentrationskontrolle ist daher unerlässlich.


 

Verschmutzungen durch Späne und Abrieb

Feinstspäne, Schleifschlämme oder metallischer Abrieb erhöhen die Belastung des Kühlschmierstoffs. Sie fördern die chemischen Reaktionen, das mikrobiologisches Wachstum sowie die Instabilität der Emulsion. Einige Werkstoffe – beispielsweise Gusswerkstoffe – können zusätzlich leicht sauer reagieren. Neben dem pH-Wert leidet in solchen Fällen auch die Bearbeitungsqualität.



Wasserqualität

Hartes Wasser kann die Emulsionsstabilität negativ beeinflussen. Bestimmte Emulgatoren reagieren mit Wasserbestandteilen, wodurch sich das System chemisch verändert. Auch hier kann es zu einem pH-Abfall kommen. Eine regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen.


 

Eintrag von Reinigungs- oder Prozesschemikalien

Nicht abgestimmte Reinigungsmittel oder unvollständig entfernte Rückstände nach einer Maschinenreinigung können das KSS-System destabilisieren. Chemische Wechselwirkungen mit dem Kühlschmierstoff führen unter Umständen zu einer Verschiebung des pH-Wertes.
Maßnahmen zur Stabilisierung und zur gezielten Anhebung des pH-Wertes werden in einem separaten Beitrag detailliert behandelt.






Fazit


Ein sinkender pH-Wert ist kein isoliertes Problem, sondern ein deutliches Warnsignal für Störungen im Kühlschmierstoffsystem. In den meisten Fällen liegt die Ursache in: 
mikrobiologischer Belastung / Fremdöleintrag / Unterkonzentration / Verschmutzung oder chemischen Wechselwirkungen

Wer den pH-Wert regelmäßig kontrolliert und systematisch analysiert, kann frühzeitig gegensteuern und kostenintensive Folgeschäden vermeiden.

Sollten sich in Ihrem Betrieb auffällige Veränderungen zeigen, unterstützen wir Sie bei der Ursachenanalyse und bei geeigneten Maßnahmen zur Stabilisierung Ihres KSS-Systems.


Die bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und basieren auf unserem aktuellen Wissen und Erfahrungen. Dennoch übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Anwendbarkeit im Einzelfall. Zerspanung ist oft sehr individuell und ist nicht immer auf andere Bearbeitungen zu übertragen. Deshalb bieten wir Ihnen gerne eine individuelle Beratung durch unsere Fachberater an, insbesondere bei sicherheitsrelevanten oder gesetzlich geregelten Anwendungen.
 

Stand: 11.05.2026
 
Peter Knoke
gepostet von
Peter Knoke
seit über 20 Jahren Experte für Kühlschmierstoffe
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