Ursachen

Gerüche in der Zerspanung – welche Rolle spielt der Werkstoff?

Störende Gerüche in der Werkzeugmaschine entstehen durch das Zusammenspiel von Werkstoff, Temperatur und Prozessführung. Der Beitrag zeigt, welche physikalischen und chemischen Faktoren beteiligt sind und wie sich Ursachen systematisch eingrenzen lassen.

Einfluss des Werkstoffes auf die Geruchsentwicklung im Kühlschmierstoff

Warum entstehen Gerüche bei der Zerspanung?

Gerüche im Bereich der Werkzeugmaschine werden häufig unmittelbar dem Kühlschmierstoff zugeschrieben. Tatsächlich spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle – darunter Werkstoff, Bearbeitungsparameter, Temperaturentwicklung und die Zusammensetzung des eingesetzten KSS.

Die Geruchsentwicklung ist somit kein isoliertes Phänomen, sondern das Ergebnis physikalischer und chemischer Wechselwirkungen im Bearbeitungsprozess.


Werkstoffabhängige Einflussfaktoren


Materialverunreinigungen

Werkstoffe können Rückstände aus Vorprozessen enthalten, beispielsweise Öle, Korrosionsschutzmittel oder Beschichtungsreste. Beim Zerspanen gelangen diese Stoffe in den Kühlschmierstoff und können dort geruchsaktive Substanzen freisetzen.


Mechanische Prozesse und Aerosolbildung

Durch hohe Drehzahlen und rotierende Werkzeuge wird der Kühlschmierstoff zerstäubt. Dabei entstehen Aerosole, die flüchtige Bestandteile enthalten können. Diese werden von Menschen häufig als unangenehmer Geruch wahrgenommen.

 

Reibung, Temperatur und Prozessparameter

Hohe Schnittgeschwindigkeiten führen zu starker Reibung, dies wiederum führt zu erhöhten Temperaturen im Kontaktbereich zwischen Werkzeug und Werkstück. Der Kühlschmierstoff erwärmt sich als Folge und das Bakterienwachstum wird begünstigt, was unangenehme Gerüche nach sich zieht.
Auch der Strömungsdruck des Kühlschmierstoffs beeinflusst die Spanbildung. Veränderungen der Spangeometrie wirken sich wiederum auf Reibung und Temperatur aus – und damit indirekt auf die Geruchsentwicklung.


 

Werkstoffspezifische Besonderheiten

Einige Werkstoffe neigen besonders zur Geruchsentwicklung:
  • Schwefelhaltige Legierungen (z. B. Automatenstähle) können bei der Bearbeitung Schwefelverbindungen freisetzen, die als intensiv riechend wahrgenommen werden.
  • Titan oder Magnesium können bei unzureichender Kühlung oxidieren. Dabei entstehen metallische oder verbrannte Gerüche.


 

Nicht wassermischbare Kühlschmierstoffe

In Schleif- oder Hochleistungs-Fräsprozessen entstehen häufig hohe Temperaturen. Bei ölbasierenden Kühlschmierstoffen kann es zur Verdampfung oder thermischen Zersetzung einzelner Bestandteile kommen. Dabei entstehen Öldämpfe, Ölnebel und Ölrauch, oft verbunden mit einem charakteristischen, teils stechenden Geruch.
 

Wassermischbare Kühlschmierstoffe

Zusatzstoffe, wie Emulgatoren, Konservierungsmittel, Entschäumer und Additive können ebenfalls geruchsaktive Substanzen freisetzen. 
Zusätzlich kann eine unzureichende Pflege des Systems (z. B. Fremdöleintrag, fehlende Belüftung, Unterkonzentration) mikrobiologisches Wachstum begünstigen, was wiederum zu Geruchsbildung führt.


Erkenntnisse aus aktuellen Untersuchungen


Aktuelle Untersuchungen von Berend Denkena, Benjamin Bergmann und Jan Schenzel (Leibniz Universität Hannover, 2025) zeigen, dass beim Planfräsen Hochdruck-Kühlschmierstoffe die Spanbildung mechanisch beeinflussen.
Der KSS-Strahl kann Spanradien verringern und die Spanverformung verändern. Diese Effekte wirken sich auf Reibung und Temperaturentwicklung aus – und damit indirekt auch auf mögliche Geruchsentwicklung im Prozess.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Geruchsbildung nicht allein ein chemisches Problem des Kühlschmierstoffs ist, sondern eng mit der mechanischen Prozessführung zusammenhängt.



Fazit

Gerüche in der Werkzeugmaschine entstehen meist durch ein Zusammenspiel aus:
  • Werkstoff
  • Prozessparametern
  • Temperaturentwicklung
  • Kühlschmierstofftyp
  • Systempflege

Eine fundierte Analyse der Prozessbedingungen ist daher entscheidend.
Sollten in Ihrer Fertigung unerwünschte Gerüche auftreten, unterstützen wir Sie gerne bei der Ursachenanalyse – praxisnah und systematisch.


Die bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und basieren auf unserem aktuellen Wissen und Erfahrungen. Dennoch übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Anwendbarkeit im Einzelfall. Zerspanung ist oft sehr individuell und ist nicht immer auf andere Bearbeitungen zu übertragen. Deshalb bieten wir Ihnen gerne eine individuelle Beratung durch unsere Fachberater an, insbesondere bei sicherheitsrelevanten oder gesetzlich geregelten Anwendungen.
 

Stand: 12.03.2026

Knut Schernikau
gepostet von
Knut Schernikau
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